Jugendstudie zur Jugendkriminalität

Jugendarbeit ist Teil des Entwicklungsprozesses junger Menschen und unterstützt sie in Befähigung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe, begünstigt aber keine Neigung zu Gewalt.

Nach einer Schüler-Umfrage des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, die der Kriminologe Christian Pfeiffer am vergangenen Mittwoch in Halle präsentierte, gibt es in keinem deutschen Flächenland mehr gewalttätige Jugendliche als in Sachsen-Anhalt. Zu den von Pfeiffer genannten Gründen zählen neben fehlenden Präventionsangeboten an Schulen vor allem auch die Jugendeinrichtungen. Jugendliche, die Jugendclubs und -zentren besuchen, so der Forschungsbericht, neigten eher zu Gewaltbereitschaft als solche, die nicht in Jugendeinrichtungen verkehrten. Als kritisch wären demnach jene Zentren zu betrachten, die von einer großen Anzahl an Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters besucht werden.

Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. (KJR) ist erstaunt über das Ergebnis der Befragung, vor allem aber über die sehr einseitigen Schlüsse, die Christian Pfeiffer daraus zieht. „Schon die Art der Erhebung sehen wir als schwierig an. Immerhin schwanken die Rückläufe der angestrebten 3.851 Fragebögen je nach Landkreis zwischen 55 und 100 Prozent, so dass letztendlich nur 2.590 Jugendliche an der Studie teilnahmen. Auch die Verfasser halten die Erhebung daher nicht für repräsentativ“, erklärt KJR-Vorstandsmitglied Olaf Schütte. Aber vor allem auch die inhaltlichen Aussagen befremden den Sozialpädagogen: „Herr Pfeiffer hat auch in der Vergangenheit eine große Skepsis Jugendzentren gegenüber bewiesen. Jetzt aber der offenen Jugendarbeit gar Anteil an einer zunehmenden jugendlichen Gewaltbereitschaft zu unterstellen, ist mehr als fragwürdig.“

Die Herausforderung für Sozialarbeiter vor Ort sei groß, so Schütte: Auf der einen Seite sollen sie das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen, auf der anderen Seite bei Problemen regulierend eingreifen. Vor dem Hintergrund der stetig geringer werdenden Finanzausstattung zögen sich immer mehr Kommunen und Landkreise aus der offenen Jugendarbeit zurück. Einrichtungen würden geschlossen oder zusammengelegt, Arbeitsstunden der Fachkräfte drastisch reduziert, Sozialarbeiter teilweise durch Hilfskräfte ersetzt. So ist nicht auszuschließen, dass der Mitarbeiterschlüssel in vielen Jugendzentren unzureichend ist.

„Trotz allem nehmen die Kolleginnen und Kollegen vor Ort ihre Verantwortung ernst, leisten in der Regel mehr, als sie bezahlt bekommen. Sie helfen beim Erproben von sozialen Regeln und dem Erleben verschiedener Gruppenmodelle, befähigen Jugendliche zu Selbstbestimmung und regen gesellschaftliche Mitverantwortung und soziales Engagement an. Das ist das genaue Gegenteil dessen, was in der neuen Studie steht.“ betont Olaf Schütte. Die Qualität der Arbeit in den Einrichtungen wird durch ein gestaffeltes Berichtswesen und eine quantitative Kontrolle regelmäßig auch durch die Jugendämter evaluiert.

Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. unterstreicht den klar vorgegebenen gesetzlichen und gesellschaftlichen Auftrag von Jugendeinrichtungen und warnt einmal mehr vor den Folgen weiterer Reduzierungen zum Beispiel im Fachkräfteprogramm. Olaf Schütte vom KJR-Vorstand dazu: „Wir haben auch in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass die Folgen der Einsparungen zu Lasten der Kinder und Jugendlichen gehen, letztendlich aber die gesamte Gesellschaft betreffen. Pikant ist natürlich, dass die Thesen des Christian Pfeiffer nun jenen in die Hände spielen, die Mittel für die Jugendarbeit weiter reduzieren wollen. Letztendlich aber gibt die Studie mit ihrer Schlussfolgerung, dass eine bessere personelle Ausstattung von Jugendzentren mit Fachkräften präventive Effekte haben kann, unseren Forderungen Recht.“

Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. ist der Zusammenschluss von 23 landesweit tätigen Jugendverbänden, 3 Dachverbänden sowie der Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendringe der kreisfreien Städte und Landkreise. Er vertritt die Interessen der Kinder und Jugendlichen sowie seiner Mitglieder gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt und der Öffentlichkeit. Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. ist Träger der Landeszentralstelle juleica.

 

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Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V.
Schleinufer 14
39104 Magdeburg
Telefon: 0391 / 53 53 94 80
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